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MALOJA–POSCHIAVO Durchs italienische Val Malenco

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MalojaAnregende Passübergänge, aussichtsreiche Panoramawege, jede Menge erfrischende Bergseen und reichlich Italianità: Wer sich diese attraktive Querung vom Oberengadin ins Puschlav vornimmt, muss beileibe nicht darben.

 

Bis zur ersten Kehre am Malojapass kann man noch fahren, dann sind die Füsse gefragt. Und die wandern gut ins hübsche Fornotal hinein – und können sich nach einer guten Stunde im wunderbar gelegenen Ristorante am Cavlocsee erstmals, aber für heute auch schon letztmals, ausruhen. Für uns ist das noch etwas früh, also wandern wir auf dem schönen Weg weiter und stossen – Mitte Juli – auf 2200 m schon auf die ersten Schneefelder. Weil die aber angenehm trittfest sind, ist der steile und sonst blockreiche Weg hinauf auf den Murettopass recht angenehm zu bewältigen. Gute Dienste leisten dabei die Stöcke, auf der anderen Seite hinunter sowieso beim lässigen Abrutschen dem Veltlin zu. Nur Stevie-der-clevere-Biker-aus-München findet TONI KAISER den Schnee mit seinem coolen Bike im Arm nicht ganz so cool. Wir aber freuen uns an der prächtigen Sicht auf die imposante Pyramide der Disgrazia. Angenehme Gesellschaft leisten uns dabei der freundliche Gianfranco Lalli aus Poggiridenti bei Sondrio, sein Hund und ein saftiger Pfirsich aus seinem Proviantsack. Der gute Wanderweg führt uns problemlos hinunter ins höchstgelegene Dorf des Val Malenco, nach Chiareggio, und zum kühlen Bier ins Hotel Genziana ganz an seinem östlichen Ende. Wir seien bei einem der besten Wirte des Tals gelandet, raunt uns Gianfranco beim Abschied noch zu.

 

Über die Polenta zum Genepi

Anderntags können wir die verschlafenen Muskeln auf der Strasse bis zur Haltestelle Ciaz bequem auf Betriebstemperatur bringen. Dann gehts scharf links auf einem schwach ausgeprägten Pfad – gut auf die Markierungen achten! – den Wald hoch. Nach zehn Minuten wird dieser besser und führt nun dem Hang entlang auf die herrlich gelegene Alp Senevedo sup. Etwas kürzer und angenehmer, dafür weniger aussichtsreich, erreicht man den von der Alp wegführenden Wanderweg auch über eine staubige Bergstrasse. Das tolle Panorama über das obere Val Malenco begleitet uns nun, während wir leicht abwärts wandernd der ausgedehnten Alp Pratti della Costa zusteuern. Von da führt der Weg wieder aufwärts, zum touristisch höchst frequentierten Lago Palù, der ab Chiesa auch mit einer Seilbahn erreicht werden kann. Und weil gerade Mittagszeit ist, kommt uns auf der Terrasse des schön über dem Seeufer gelegenen Rifugio die traditionelle Polenta vom Feuer nicht ganz ungelegen. Denn danach steigt der Weg in steilen 200 Höhenmetern zur Bocchel de Torno hoch. Von hier erblicken wir vorwärts erstmals unser Tagesziel am Campomoro-Stausee und bewundern rückwärts die nach wie vor mächtigen Wandfluchten der Disgrazia-Kette. Vom Pass würden wir im Winter nun in eleganten Schwüngen nach unten kurven, jetzt stolpern wir über hässlich planierte Pisten bis auf etwa 1830 m hinunter. Folgen dann linkerhand dem Wegweiser in Richtung Alpe Musella, bis der Weg kurz vor der Alpe Campascio auf einer Brücke recht spektakulär den vom Scerscen- Gletscher herabstürzenden Bach überquert. Durch ein paar rasante schluchtenartige Passagen erreichen wir von hier in einer guten Stunde die Staumauer von Campomoro und das im letzten Jahr wunderbar restaurierte Rifugio Zoia. Die Hütte – eine von mehreren Möglichkeiten in der Gegend – überzeugt mit schönen Zimmern mit Dusche und einer überaus freundlichen Crew um den Hüttenwart Emanuele. Die Minestrone seiner Mutter könnte nicht besser munden, der traditionelle Alpendigestiv Genepi aber auch nicht.

 

Hoch hinauf – tief hinunter

Der dritte Tag verspricht Hochgenusswandern. Weil er an einem guten Dutzend idyllischer Seen und Tümpel vorbeiführt. Die sind so malerisch, dass die Veltliner gemeinsam mit den Puschlavern extra ein Hochalpenrennen erfunden haben: den 31 km langen Skyrace über den alten Schmugglerpfad von Lanzada im Val Malenco nach Poschiavo mit einem Höhenunterschied von 3650 Metern, davon 1850 Meter bergauf. Der Rekord steht bei 2 Stunden 32 Minuten! Die Passüberquerungen über den Campagneda und den Cancian sind unproblematisch, hat man nicht gerade einen Nebeltag erwischt; dann könnte die Orientierung auf der vom Scalino-Gletscher geschliffenen Hochfläche anspruchsvoller sein. Trotz der vielen Höhenmeter hinunter auf die Piazza von Poschiavo, ist der Abstieg über mehrere Geländestufen überraschend angenehm. Ist es, weil wir schon den dritten Tag unterwegs sind? Oder weil schon fast im Talgrund das wunderbar gelegene Ristorante Selva lockt? Entscheiden Sie selbst! Und falls Sie es noch nicht getan haben, lesen Sie nun auch noch das Editorial. Es gibt da noch eine weitere Geschichte…



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