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RIEDEN SG Auf steinigen Wegen ins Toggenburg

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Diese recht lange Wanderung führt durch die «Landschaft von nationaler Bedeutung Speer–Churfirsten–Alvier». Die naturnahe Region zwischen Ricken und Rheintal, die als wichtigster Erholungsraum des Kantons St. Gallen gilt, glänzt nicht nur mit schönen Aussichten und gemütlichen Bergwirtschaften. Sondern auch mit einer spannenden Lektion in Schweizer Geologie.

 

Rieden SGQuer zum höchsten Nagelfluhberg der Schweiz, dem Speer, führt die Tour hinaus aus dem Linthgebiet und hinein ins Toggenburg. Ausgangspunkt ist das auf einer Aussichtsterrasse gelegene Dorf Rieden mit seiner schönen Aussicht über die Schwyzer und Glarner Alpen. Sie führt abwechslungsreich durch satte Wälder und über idyllisch gelegene Alpen. Dabei passiert man die beeindruckenden schwarzen Felsbänder des Speer, ohne jedoch den Gipfel selbst zu besteigen. Wer unterwegs Glück hat, trifft dafür bei Bachmannsberg auf Paul Steiner und kann mit dessen zutraulichem Kolkraben Kobi ein paar Worte zu wechseln versuchen. Auf der Alpwirtschaft Vorderwengi – so nach zwei Stunden Aufstieg – lockt dann erstmals eine schöne Terrasse. Ein erster Kaffee mit Schuss, wie die einheimischen Gäste, oder doch besser eine hausgemachte Gerstensuppe? Entscheiden Sie selbst!

 

Kulisse für einen Film

Kurz danach rauscht der Bergbach im Wald idyllisch über Stufen hinab, einige schöne Becken laden zum Bad. Allzu lange verweilen sollte man aber nicht, denn erstens ist der Weg noch weit, und zweitens wartet etwas weiter oben schon die fantastisch gelegene Bergwirtschaft der Familie Jud-Roth – vorbeigehen unmöglich! Von der Oberen Rossalp ist der Blick auf das Zürcher Seebecken und den Speer schlicht grandios, das Kuhgebimmel idyllisch und der Weg bis auf die Passhöhe, von wo man über einen gesicherten Steig den wilden Nagelfluhberg erklimmen könnte, nicht mehr weit. Unten liegt am Fuss des Schwarzen Chöpf schön eingebettet die malerische Elisalp mit ihren farbigen Magerwiesen und sattgrünen Mooren, denen schneeweisse Wollgrasblüten und dunkle Steinblöcke ein Tupfenmuster verpassen. Die Alp liegt zuhinterst im Steintal, einem der längsten Seitentäler des Toggenburg, das von Ebnat-Kappel hochführt. Zwischen Nadelhölzern, Erlen, Heidelbeerbüschen und Alpenrosen hindurch erreicht man schliesslich den aussichtsreichen Bützbergsattel – und ist damit definitiv im Toggenburg angelangt. Die tolle Sicht auf den Alpstein ist für den weit herum bekannten «Hengst- Heiri» (Giezentanner), der von Mai bis November hier oben auf seiner Alp Vieh sömmert und durstige Gäste verwöhnt, tägliches Brot. Das vollbärtige Älpleroriginal, die rustikale Alpwirtschaft, die widerkäuenden Kühe unter der im Wind flatternden Schweizer Fahne, der Blick auf den mächtigen Säntis und die Alphornklänge von der Nachbaralp im Ohr bilden eine filmreife Bergidylle. Von hier gehts dann nur noch runter, nach Nesslau zu seinem berühmten Kloster Neu Sankt Johann mit der imposanten Barockfassade.

 

Geologische Hochspannung

Der Speer ist ein bemerkenswerter Berg. Die nicht ganz 2000 Meter hohe Spitze mit ihrer schwarzgebänderten Nordwand besteht wie die Rigi aus sogenannten Molassefelsen, welche während der letzten Alpenfaltung aufgerichtet wurden. Diese Molasse ist Schutt aus feinkörnigem Sand, Mergel und Ton von der einsetzenden Gebirgserosion vor 32 bis 37 Mio. Jahren, die sich in einem langgezogenen Becken ablagerte, wo sich damals ein flaches Binnenmeer auch über das heutige Toggenburg ausbreitete. Vor 22 bis 32 Mio. Jahren liess eine Anhebung des Untergrundes dieses Meer abfliessen und das vorrückende alpine Faltengebirge hier wie am Mont-Pèlerin, im Thunerseegebiet, an der Rigi und am Rossberg erste Nagelfluhdeltas entstehen. Als Nagelfluh oder Konglomerat bezeichnet der Fachmann in Flussablagerungen und Schwemmgebieten gesammeltes, oft gerundetes Schottermaterial, dessen Zwischenräume durch kalkige oder tonige Bindemittel später verfestigt wurden. Weitere Hebungen und Senkungen des Mittellandbodens – verbunden mit Schuttablagerungen – bauten später weitere Nagelfluhfächer wie den Napf, den Gäbris und das Hörnli auf. Dem nicht genug, überfuhr vor 15 bis 22 Mio. Jahren ein letzter kräftiger Faltenvorschub das mittelländische Molassebecken auf seiner ganzen Breite. Dabei wurden die Molasseschichten zusammengestaucht, teilweise gefaltet und/oder schief gerichtet, was sich heute auch am Speer noch gut feststellen lässt. Wer es um einiges genauer wissen möchte, beschafft sich das gerade neu aufgelegte Buch «Geologie der Schweiz» von Toni Labhart (siehe tour info unter «Literatur»).



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