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SPIEZ BE Pilgerweg «Neues Jerusalem» von Spiez nach Varallo

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In zehn Tagen durch zwei Länder, drei Sprachregionen, vier Kulturen und über fünf Pässe zum UNESCOWeltkulturerbe Sacro Monte di Varallo. Kaum eine andere Wanderung bietet eine derartige Fülle an Abwechslung in Sachen Kultur und Natur wie diese wieder erwachte Pilgertour.

 

Spiez_12/09Die Welt war 1490 im Umbruch. Der Buchdruck war kaum erfunden; Kolumbus suchte den Weg nach Osten über den Westen; Leonardo da Vinci und Michelangelo arbeiteten in Oberitalien; Papst Alexander VI. genoss alle Köstlichkeiten des Lebens und provozierte die gläubigen Kreise; die Osmanen eroberten Konstantinopel und versperrten den Pilgern den Weg nach Jerusalem. Auf diesem vorreformatorischen Nährboden verfolgte Bruder Bernardo Caimi – soeben peter salzmann von seiner Pilgerreise aus dem Heiligen Land zurückgekehrt – die Idee, auf dem Hügel über Varallo in einer Kapellenstadt Leben und Tod Jesu Christi in Originalgrösse darzustellen und so den Gläubigen den gefährlichen Gang nach Jerusalem zu ersparen. Er fand in Rom und Oberitalien schnell Anhänger und begann den Bau des ersten Sacro Monte in Oberitalien, ein Bollwerk gegen die von Norden drohende Reformation.

 

600 lebensgrosse Statuen

Insgesamt entstanden in den folgenden zwei Jahrhunderten in der kleinen Hauptstadt des Sesia-Tales 43 Kapellen mit über 600 lebensgrossen Statuen. Der Grossteil der damaligen Alpenbewohner konnte weder lesen noch schreiben, und Fotos gab es auch keine. So war es der Wunsch der Gläubigen, einmal im Leben im «Neuen Jerusalem» das Leben Jesu dargestellt zu sehen. Die letzte organisierte Pilgerfahrt startete 1904 in Ayer im Val d’Anniviers.

 

Reformation rettete Fresken

Die Pilgerreise beginnt in Spiez am Thunersee, ein Abzweiger des Jakobsweges in Richtung Süden. Überdimensionale Darstellungen des Reise-Heiligen Christophorus in Spiez und im Simmental, die während der Reformation übermalt wurden, konnten in den letzten Generationen wieder freigelegt werden; sie zeugen von einem regen vorreformatorischen Pilgerverkehr. Durch das saftiggrüne Simmental, mit seiner eigenen, weltweit erfolgreichen Kuhrasse, gelangt man am dritten Wandertag über den Rawilpass ins Wallis. Die Walliser Bergketten ständig im Blickfeld, durchwandert man die Weinberge von Sierre, wo auch die Rhone überquert wird. Die Kühe sind inzwischen schwarz geworden und bleiben es auch über den Meid- und den Augstbordpass bis zuhinterst ins Saastal beim Mattmarksee. Die wohl imposanteste Reisebegegnung ist die überdimensionale, goldene Madonnastatue auf dem Monte-Moro-Pass. Der letzte Übergang ins Valsesia nach Carcoforo führt über den unbekannten Bottigiapass, über Steinplatten wie Elefantenrücken. Die Fusswege im Valsesia sind meist überwachsen oder mit Nachfolgestrassen überbaut, sodass sich die Wegsuche zu einem echten Abenteuer entwickelt. Als Alternative winkt der Bus nach Varallo, was sich unbedingt lohnt, denn der dadurch gewonnene Tag kann zur Entdeckung der Kapellen auf dem Sacro Monte eingesetzt werden.



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