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FRUTIGEN / REGION STOCKHORN Fischoasen Berner Oberland

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Für einen kleinen Vorgeschmack auf sommerliche Temperaturen ist der Ausflug ins neu eröffnete Tropenhaus in Frutigen das Richtige. Dort warten eine faszinierende Unterwasserwelt und ein abenteuerlicher Dschungel auf kleine und grosse Entdecker. Wer dann auch selber grosse Fische an Land ziehen möchte, fährt zum Stockhorn mit seinen lieblichen Bergseen und dem schönen Erlebnispfad.

 

Frutigen_Stockhorn_4/10Vom lauen Frühlingslüftchen keine Spur am Bahnhof Frutigen. Kalte Märztemperaturen und schneeweisse Berge steigern meine Vorfreude auf den Besuch im Tropenhaus noch mehr. Einige Gehminuten später lässt sich der erste Blick auf die felsartige Fassade und die kristallene Front des Gewächshauses werfen. Im Innern dann endlich wohltuende Temperaturen, goldgelb gereifte Bananen, Mangos und Papayas, und alles nur einen Biss vom Mund entfernt. Zwischen den exotischen Stauden schleichen kleine und grosse Dschungelabenteurer auf der Suche nach gefährlichen Raubkatzen oder lang zurückliegenden Ferienerinnerungen umher. Ein Tropenhaus mit Fischzucht mitten im winterlichen Berggebiet – ist das in Zeiten der Klimaerwärmung nicht ein unvereinbarer Gegensatz?

 

Wärme aus dem Berg

Als die Mineure beim Bau des Lötschbergtunnels auf eine Warmwasserquelle stiessen, aus der pro Sekunde rund 100 Liter 20 Grad warmes Wasser sprudelten, hätte niemand gedacht, dass dies der Anfang einer 30 000 Quadratmeter grossen Anlage mit Fischzucht und tropischem Gewächshaus ist. Doch die Idee ist bestechend: Mit der Wärmeenergie des Wassers von rund vier Megawatt pro Jahr wird seit letztem November die Störzucht betrieben und das Tropenhaus beheizt. Eine wesentlich sparsamere Lösung, als das Wasser mit viel Energie künstlich abzukühlen, bevor es in die Kander eingeleitet wird.

 

Verhängnisvoller Kaviar

Der Erfinder hinter dem Projekt ist Peter Hufschmied, Bauleiter des Lötschbergtunnels und begeisterter Fischer. Innerhalb von 18 Monaten wurden mit dieser innovativen Idee Arbeitsplätze für 40 Personen, ein touristischer Anziehungspunkt und ein Vorzeigeprojekt zur nachhaltigen Energienutzung geschaffen.Der Rundgang führt mich nach der Expedition durchs Gewächshaus nach draussen. Dort liegen auch die rund 40 Fischbecken mit den Sibirischen Stören, die aber nicht alle zugänglich sind – bis 2011 sollen rund 60 000 Tiere in den Becken leben. Der Stör zählt zu den ältesten Tierarten der Welt und kann sowohl im Süss- wie auch im Meerwasser leben. Obwohl er sich perfekt an seine Umwelt anpassen kann, gelten die Störbestände weltweit als stark gefährdet. Grund dafür ist der Kaviar, der aus dem Laich der Störe gewonnen wird. Den teuersten Kaviar liefert der Belugastör – 1 kg Belugakaviar kann bis zu 20 000 Franken kosten.

 

Kopf und Bauch füttern

Wer mehr über Störe und das Projekt Tropenhaus wissen möchte, findet im Innern des Gebäudes eine Ausstellung, die sowohl über den Fisch wie auch die Geologie des Lötschbergs, die nachhaltige Lebensmittelproduktion und erneuerbare Energien Auskunft gibt. Besonders die Kinder werden magisch angezogen vom fünf Meter langen Knochenskelett eines ausgewachsenen Störs, das an der Decke hängt. Nach so viel Fisch und Früchten knurrt mir der Magen – Zeit für einen Besuch in einem der beiden Restaurants. Das Restaurant Terrasserie ist für Familien mit Kindern dank Kindermenü und Mini-Spiel-Lounge bestens geeignet. Aufgewärmt von den tropischen Temperaturen und mit einem exotischen Stör-Menü gestärkt, kann ich den Rückweg durch die winterlich kalte Berglandschaft zum Bahnhof Frutigen um einiges besser geniessen. Was jetzt noch fehlt, ist ein Ausflug zu den umliegenden Bergseen – die Angelrute im Schlepptau. Denn eines kann man im Tropenhaus nicht: die Fische selbst an Land ziehen.



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