GELTENHÜTTE Dem Jet Set entfliehen
Wenn im Juli das Tennisturnier stattfindet, herrscht auf Gstaads Strassen aufgeregter Rummel. Das Postauto bringt uns in eine andere Welt, taleinwärts zum Louwenesee, in die erhabene Ruhe. Bald führt der Weg über grobe Stufen bergauf, immer steiler, und der Schweiss beginnt zu tröpfeln. Wanderer, die hinauf wollen, beruhigt die Hüttenwartin am Telefon: «Die Kühe kommen auch herauf, und die haben vier Beine.» Die schönste Stelle des Hüttenweges ist der dramatische Geltenschuss, wo sich der Bergbach tief in eine formenreiche Felsschlucht hineingefressen hat.
Unter Beschuss
Die Naturidylle um die Geltenhütte gerät im Laufe der Geschichte immer wieder in Gefahr, und die Sektion Oldenhorn des SAC muss sich auf die Hinterbeine stellen, um die Angriffe abzuwehren. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts will die Elektrizitätswirtschaft den Geltenbach in ein Kraftwerkprojekt einbeziehen. Das jahrzehntelange Gerangel dauert bis 1956. Am Ende steht der Geltenschuss unter Naturschutz, die Elektriker begraben ihre Pläne, in Lauenen läuten die Kirchenglocken. Es folgen Angriffe von Schnee-Scootern und von der Armee, deren Artillerie den Geltengletscher als Zielscheibe nimmt. Die Schnee-Scooter werden verboten, die Armee sagt 1974: Ende Feuer! Dann will die Nagra prüfen, ob das Gebiet sich für die Endlagerung von nuklearen Abfällen eignet, doch zum Glück ist das Gestein für Atomkavernen ungeeignet. Und jetzt herrscht endlich wieder erhabene Ruhe.