DOSSENHÜTTE Über den luftigen Grat
Prächtig steht das Wetterhorn zwischen Meiringen und Grindelwald, doch von beiden Seiten her ist der Anmarschweg sehr lang. Das beklagen schon Bergsteiger in den 1850er Jahren, die auf ihren Touren oft am Dossen biwakieren müssen. 1879 haben sie genug improvisiert und weihen die erste Hütte ein, die sich allerdings nicht bewährt. Bis 1899 werden drei Hütten gebaut! Die letzte wird so auf den Grat platziert, dass die Gäste des Hotels Rosenlaui die Hüttenfahne im Bergwind flattern sehen und Lust bekommen, da hinauf zu steigen.
Sturmfest
Der Zustieg vom Rosenlaui her ist weiss-blauweiss als Alpinwanderweg markiert. Er gehört mit seinen leichten Kletterpassagen zum Feinsten, was Bergwanderer unter die Schuhe bekommen können. Weil die Stifte, Leitern und Fixseile im Sommer Pflege brauchen, ist seit 1911 ein Hüttenwart fest angestellt. Seit 2001 ist es eine Hüttenwartin: die Glarnerin Cyrille Zwicky. Die einsame Hütte auf dem Grat ist Wind und Wetter ausgesetzt. Cyrille erlebt das so: «Bei schlechtem Wetter bin ich oft allein. Dann kann es so gewaltig stürmen, dass die ganze Hütte erzittert. Aber nur im ersten Hüttenjahr hatte ich bei einem Sturm Angst, als die Hütte richtiggehend schwankte und die Gläser im Schrank erzitterten.» Mit der Dossenhütte habe sie sich einen Traum erfüllt, erzählt sie, und «heute würde ich nicht einmal mehr mit einer Hütte im Glarnerland tauschen, denn ich habe so viel Herzblut in diese Hütte gesteckt».