GELMERHÜTTE Lauter Superlativen
Nur wenige SAC-Stützpunkte dokumentieren gesellschaftliche Entwicklungen so deutlich wie die 1926 eingeweihte Gelmerhütte. Das fängt damit an, dass sie als Nebenprodukt der Eroberung der Bergwelt durch die Elektroindustrie entsteht: Bergbegeisterte Aargauer Clubisten, die für Brown Boveri am Gelmer-Stausee arbeiten, bauen sie in ihrer Freizeit. Als ein paar von ihnen in den 1930er Jahren die Idee äussern, man könnte die Hütte elektrifizieren, stossen sie zuerst auf heftigste Ablehnung bis hinauf in die SAC-Spitze. Wie heimelig muss, wie komfortabel darf eine Hütte sein?
Statt Öl aus Südamerika Wasser von der Grimsel
Heftig entbrennt der Streit zwischen den Fortschrittlichen und den Traditionalisten, welche die Petroleumlampen so heimelig finden. In der entscheidenden Versammlung stellt ein Wortführer der Fortschrittlichen die messerscharfe Frage: «Heimelig? Also: Was ist heimeliger, das Petroleum aus Venezuela oder das Wasser aus unseren Bergen? Dieses Wasser, das uns ungenutzt übers Hüttendach den Berg hinunter fliesst?» Das sitzt, die Kritiker werden kleinlaut. 1937 wird das hütteneigene Kraftwerk in Betrieb genommen. Der Strom ist ein Genuss. Man kann jederzeit warm duschen, und die Räume sind dank der Bodenheizung behaglich warm. Dieser Luxus scheint den Besuchern bisher nicht geschadet zu haben, und im Hüttenbuch kann man solche Einträge lesen: «Schlechtes Wetter. Anstelle der vorgesehenen Tour aufs Ofenhorn hat sich die ganze Gesellschaft elektrisch rasiert.»