FAMILIENTIPP Uhrenmuseum und unterirdische Mühle
Ein Familienausflug in den Neuenburger Jura verspricht einen ausgefüllten Tag: Bahnfahrt, Wanderung, Uhrenmuseum Le Locle, unterirdische Mühle Col-des-Roches und, wenn dies noch nicht reicht, eine Bootsfahrt zu den Doubs-Fällen. Für Abwechslung ist gesorgt!
Die Reise führt durch die parkartige Landschaft des Neuenburger Jura ins Herz der schweizerischen Uhrenindustrie. Fast schnurgerade tuckert das Bähnchen von La Chaux-de-Fonds durch das Hochtal nach Le Locle – eine Industriestadt zwischen Hochmoor, Tannen und steilen Bergflanken. Vor rund 300 Jahren begann hier die Epoche der Uhrenproduktion, und bis zur grossen Wirtschaftskrise in den 1970er Jahren war das Uhrmacherhandwerk der wichtigste Einkommenszweig und Le Locle zeitweise bedeutender und grösser als die Kantonshauptstadt Neuchâtel.
Reine Magie
Traumstücke der hohen Kunst der Uhrmacher von Le Locle sind im Château des Monts – ein um 1790 erbautes herrschaftliches Landgut hoch über der Stadt – zu bestaunen. Die Inneneinrichtung zeigt, wie eine vornehme Neuenburger Familie einst lebte: luxuriöse Möbel, wertvolle Neuenburger Standuhren, grosszügige Räume. Dies allein mag für Kinder nicht so spannend sein, dafür umso mehr die Automatensammlung: die Fee Carabosse, die sich wie von Zauberhand angetrieben mit ihren zwei Stöcken vorwärts bewegt; ein goldener Vogelkäfig, in dem Kolibris zwitschern und herumflattern; ein geheimnisvoller Spiegelautomat; ein Zauberer, der ständig seine Becherchen hebt und senkt und Würfel erscheinen und verschwinden lässt und vieles mehr. Das ist reine Magie! Ist das Uhrenmuseum das Reich der kleinen und kleinsten Rädchen, so dominieren in der zweiten Station dieses Ausflugs riesige Mühlenräder.
Die Kraft des Wassers
Ein halbstündiger Spaziergang führt uns in diese ganz andere Szenerie. Wie eine undurchdringliche Mauer riegeln die zerklüfteten Felswände des Col-des-Roches das Tal ab. Hier staute sich vor Jahrtausenden das Wasser und verwandelte das Tal in einen See. Im Laufe der Zeit jedoch erweiterte das Wasser jeden Spalt und jede Ritze im Fels und bahnte sich einen Weg zum tiefer liegenden Tal des Doubs. Es entstand ein System von vertikalen Höhlen. Im 17. Jahrhundert kam ein findiges Brüderpaar auf die Idee, die Kraft des Wassers im Berg zu nutzen. Sie richteten in der Naturhöhle eine gigantische, mehrstufige Mühlenanlage ein, die bis um 1900 genutzt wurde. Dann übernahm die Elektrizität den Antrieb von Maschinen, die Mühle verlotterte und die Höhlen wurden als Abfallgruben für das nahe Schlachthaus genutzt. Eine Gruppe von Enthusiasten nahm dann aber die mühsame Arbeit des Restaurierens auf sich – mit Erfolg: Heute steht Besuchern ein faszinierendes Natur- und Industriedenkmal offen.
Dunkle und kühle Welt
Steile Treppen führen von Plattform zu Plattform in die Tiefe. Es rauscht, gurgelt, dröhnt, tropft. Schwaches Licht lässt unheimliche Schatten über die Wände tanzen. Man meint, sich in einem riesigen Uhrwerk zu bewegen. Stege, Treppen und Gänge führen an gigantischen Mühlrädern, an Kanälen und Mahlwerken vorbei. Wie haben die Menschen das damals ausgehalten, während langer Tage in dieser feuchten, dunklen, kühlen Welt unter Tag zu arbeiten? Wenn man still steht und die Augen schliesst, kann man die Mühlen stampfen, Wasser tosen, Räder ächzen und Menschen stöhnen hören. Oder ist alles nur Einbildung?
Fast wie an den Niagara-Fällen
Wer nach Berg und Höhle noch Abenteuerlust, Zeit und Energie hat, kehrt zurück nach Le Locle und nimmt den Zug nach Les Brenets. Dort warten Ausflugsschiffe, die Touristen über den Lac des Brenets – ein rund 4 Kilometer langer gewundener Canyon – zum Saut-du Doubs bringen: Klein Niagara des Jurabogens.