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OBERBÜHLCHNUBEL Ein schöner Sonntagsspaziergang

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Die charakteristische Pultdachform des Oberbühlchnubels ist aus weiten Teilen des Berner Mittellandes gut auszumachen. Durch den interessanten Mutzgraben führt ein kurzweiliger Weg auf den moderaten Gipfel (818 m), der dennoch mit einer prächtigen Rundsicht imponiert.

 

OberbuehlchnubelKein Schriftsteller ist so eng mit dem Emmental und dem Oberaargau verbunden wie Jeremias Gotthelf (1797–1854), der mit bürgerlichem Namen Albert Bitzius hiess. Nach den Studien in Bern und Göttingen amtete er als Vikar seines Vaters zuerst im bernischen Utzenstorf, dann in Herzogenbuchsee (1824–1829). Einem Brief von ihm an seinen Freund Joseph Burkhalter im Fluhacker zehn Jahre später, als er in Lützelflüh lebte, ist zu entnehmen, dass die Buchsi-Jahre zu den glücklichsten seines Lebens gehörten: «Ich denke gar oft an dieses Bänkli vor Eurem Haus und möchte gar zu gerne zuweilen darauf sitzen. Ich bin hier im Ganzen genommen sehr einsam. Es hat niemand Zeit, sich mit mir abzugeben, und wenn man schon die Arbeit sein lässt, wenn ich komme, so sieht Toni kaiser man doch gar zu oft den Kummer, dass jetzt etwas im Hinterlig bleibe. Es ist aber recht gut, dass ich ferne von der Zerstreuung bin. Der liebe Gott versucht halt eine Radikalkur an mir. Obschon ich lieber sitze als vor 15 Jahren und ziemlich daran gewöhnt bin, so liebe ich doch das freie Leben noch mehr…» Ebendiese Freiheit, ungehemmt von väterlichen Ermahnungen noch Familiensorgen, scheint der junge Bitzius in Herzogenbuchsee in vollen Zügen genossen zu haben. Sie gehört zu seinen Lehr-und Wanderjahren und lässt schon in aller Deutlichkeit die wesentlichen Züge der Kämpfernatur des späteren Volksschriftstellers erkennen (nach dem Jahrbuch des Oberaargaus, Bd. 1/1958).

 

Auch durch Bärenland?

Begeben wir uns also auf eine leichte Wanderung durch Gotthelfs hügelige Welt mit den bewaldeten Höhenrücken, den sanft geneigten Äckern, den heimeligen Weilern und den stattlichen Bauernhöfen, in der es dem späteren Schriftsteller so wohl gewesen zu sein scheint. Auch schöne Bänkli zum Verweilen hat es unterwegs genug. Der Start erfolgt in Riedtwil im Önztal, zwischen Burgdorf und Herzogenbuchsee gelegen, beendet wird die Rundtour in dessen Nachbardorf Wynigen. Schon der Mutzbachgraben – die Einheimischen sagen Mutzgraben – ist nicht nur schattig und damit ideal für einen heissen Sonn(en)tag, sondern auch interessant. Weil man erstens nach 20 Minuten rechterhand an einer Höhle vorbeikommt, die leicht zu übersehen ist; es handelt sich um einen Durchbruch durch einen Sandsteinhügel, der auch von einem Bächlein durchflossen wird. Mutzgraben? Hat hier wohl vor Zeiten mal ein Bär gehaust?

 

Speisen wie zu Gotthelfs Zeiten

Zweitens zieht nach einer weiteren Viertelstunde ein Wasserfall die Aufmerksamkeit auf sich: der Mutzbachfall. Die rund zehn Meter hohe Stufe überwindet man ohne Probleme auf einer Leiter links davon, worauf der lauschige Wanderweg weiter ins Tobel hineinführt, bis er rechts den Hang hochzieht. Auf einem bequemen Bergsträsschen, das der Zivilschutz nach Sturmschäden wieder instand gestellt hat, gehts hinauf nach Rüedisbach, in eben einen dieser heimeligen Weiler. Nur ein paar Meter rechts die Strasse hinunter lockt ein kleines schattiges Terrässchen im «s’Trio-Beizli». Von hier sind es nur noch 45 Minuten bis auf den markanten Buckel des Oberbühlchnubel mit seiner tollen Rundumsicht vom Säntis über die Berner und Freiburger Alpen bis zur langen Jurakette. Das hügelige Emmental überblickt man von hier sowieso perfekt. Und nach weiteren zehn Wanderminuten hinunter sitzt man schon im «Wilden Mann» zu Ferrenberg vor einer Berner Platte oder einem rustikalen Sonntagsbraten. Auch wenn das Wetter noch so schön und heiss ist, sollte man unbedingt einen Blick ins Innere der «bhäbigen» (für Nicht-Gotthelfianer: stattlich, heimelig, gemütlich) Gaststube mit den uralten Holztischen werfen. Das Bauernhaus stammt aus dem Jahr 1830 und ist seit 120 Jahren ein Familienbetrieb. Gekocht wird traditionell nach Urgrossmutters Rezepten und mit frischen Produkten von den umliegenden Bauernhöfen. Weil danach der Magen anderweitig belastet ist, sollte man sich am Nachmittag nicht mehr zu viel vornehmen: Eine gute Stunde Abstieg nach Wynigen hinunter genügt vollauf, von wo man mit dem Postauto in nur sechs Minuten wieder den Ausgangspunkt Riedtwil erreicht. Ein Abstieg übrigens, der ganz zum Schluss auf eine ganz besondere Art schon fast mediterrane Züge aufweist.



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