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Sagenhaftes Toggenburg

Die Zähne der sieben Churfirsten sind das Markenzeichen des Toggenburg. In deren Karstlandschaft und seinen bis 300 m tiefen Donnerlöchern sollen vor langer Zeit Drachen und im sagenumwobenen Wildenmannlisloch auf dem Selunrücken Höhlenbären und ein seltsamer Einsiedler gehaust haben. Auf das Missgeschick eines Riesen soll die Entstehung der überall auf den weiten Hängen verstreuten hübschen Holzhäuschen zurückgehen. Ganz sicher ist, dass ein weltweit berühmter Kirchenmann ein waschechter Toggenburger war.

 

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Landschaft wie aus dem Bilderbuch

Das rund 50 Kilometer lange Tal zwischen Thurgau, Appenzell und dem Zürcher Oberland mit seinen rund 35 000 Einwohnern umfasst flächenmässig etwa ein Fünftel des Kantons St.Gallen. Mit seiner landschaftlichen Dramaturgie zählt gerade das Obertoggenburg zu den schönsten Naturlandschaften der Schweiz. Es sind grossartige Bilder, wenn man das Auge von den malerischen Alpen unter den Churfirsten- und Alpsteingipfeln über die sanften Matten des Toggenburger Talbodens schweifen lässt. Bauklötzchen gleich verteilen sich die Häuschen und Ställe über die sanft gewellten Wiesen, die kompakten Dörfer schmiegen sich Schutz suchend in die elegant geschwungene Talsohle. Das alles erweckt den Eindruck einer im Sommer sattgrün und im Winter weiss gemusterten Lego-Landschaft. Am besten fällt dies ins Auge, wenn man über einen der vielen Passübergänge «von oben her» ins Tal einwandert, etwa aus dem zürcherischen Seebecken über den Bützsattel (Outdoortipp Seite 17). Da kann es schon vorkommen, dass man, wie auf der Hengst- Alp Auge in Auge mit den mächtigen Alpsteingipfeln und mit den friedlich grasenden Kühen, unter der Schweizer Fahne unvermittelt salutieren möchte, wenn von einer der Nachbaralpen dazu noch sphärische Alphornklänge das Tal füllen.

 

…und ein geheimnisvolles Höhlenwesen

Ganz lebendig, wenn aber auch mit Magie behaftet, war eine andere Toggenburger Gestalt. Auf sie stiessen Sennen im Sommer 1844 vor dem sagenhaften Wildenmannlisloch am Ausläufer des westlichsten «Churfirsten » Selun. Eines Tages stellten sie fest, dass einige ihrer Kühe von fremder Hand gemolken worden waren. Dank Wachen entdeckten sie einen seltsamen jungen Mann mit langen Haaren am ganzen Körper, der aus dem Wildenmannlisloch an ihre Kühe heranschlich und Milch aus den Zitzen saugte. Die Sennen fingen die Gestalt ein und platzierten sie zunächst im Armenhaus von Alt St.Johann. Auf alle Fragen gab der Mann nur tierische Laute von sich und lernte zeitlebens nie reden. War er zufrieden, schnurrte er, wurde er geneckt, geriet er in Zorn. Als Johannes Seluner kam er später ins Armenhaus Nesslau und verbrachte dort 54 Jahre, die meiste Zeit im Freien und stets ohne Gesellschaft. Sein Geheimnis nahm er in sein Nesslauer Grab mit. Die älteste Erwähnung der Höhle findet sich in der «Beschreibung der Toggenburgischen Gebirge» des Pfarrers Johann Heinrich Scherrer (1703). Dort heisst es bei der Aufzählung der verschiedenen Berge der Churfirsten: Der sechste ist der Luner- oder Selunerruck… Unter diesem wird ein Loch gefunden, durch welches man ein halb Viertelstund mit einer Latern in den Berg hineingehet. 1906 hatte Dr. Emil Bächler hier in einer Probebohrung erstmals eine Reihe von Zähnen und Knochensplittern zu Tage gefördert, nachdem er schon 1903 und 1904 im Wildkirchli im Alpstein mit Knochen von Höhlenbären und Werkzeugen aus Stein fündig geworden war. 1923 fand er dann auch in der Höhle unter dem Selun – in tieferen Schichten – zahlreiche Reste, die von 500 Höhlenbären aus einer prähistorischen Epoche vor rund 40 000 Jahre stammten. Dass diese nicht an der Oberfläche gefunden wurden, soll darauf hindeuten, dass es sich um einen Opferkult gehandelt haben könnte.

 

 

Inhalt

Reportage - Hinter den sieben Bergen

Sagenhaftes Toggenburg

Porträt: Kägi-fret

"Lawinenspürer" Jean-Luc Lugon, Finhaut VS

 

Zum Sammeln: Outdoor-Ausflugstipps

 

Portfolio

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