Auen - Wandern am Wasser
Es ist früh am Morgen. Der junge Haubentaucher (Podiceps cristatus) ist gerade zur Welt gekommen. Er liegt an der Seite des Weibchens auf dem Nest. Sein Instinkt führt ihn sofort auf den Rücken der Mutter, ins warme Gefieder. Etwa eine Stunde bleibt er da völlig versteckt, doch dann erscheint sein Köpfchen plötzlich aus dem Gefieder der Mutter – der erste Kontakt der beiden. Ein emotionales Erlebnis auch für den Fotografen, der diesen seltenen Moment fotografieren konnte.

Uferwälder: fast undurchdringliche Dickichte
Es hat viel geregnet letzte Nacht, und der kleine Bach, der durch den Schwarzerlenwald fliesst, ist über das Ufer getreten und hat den Waldboden überschwemmt. Es muss schon eine Schwarzerle (Alnus glutinosa) sein, wenn ein Baum diese periodischen Überschwemmungen ertragen soll. Diese seltene Pflanzengemeinschaft kommt nur in den Senkungen und auf den Deltas von Wildbächen vor. Im Frühling tragen die Bäume noch keine Blätter, und die Sonnenstrahlen gelangen bis zum Boden. Die Flora im Unterholz ist prächtig: Man steht fasziniert vor dem weissen Teppich der Buschwindröschen (Anemone nemorosa), den goldenen Kugeln der Sumpf-Dotterblumen (Caltha palustris) und dem goldgelb leuchtenden Scharbockskraut (Ranunculus ficaria). Es ist ein Wunder der Fortpflanzung oder ein Rennen gegen die Zeit: Um das Überleben der Art zu gewährleisten, ist Eile angesagt, denn in einigen Tagen wird das Licht die Blätter der grossen Bäume nicht mehr durchdringen und die Lebewesen im Unterholz im Halbschatten belassen. Es ist gerechtfertigt, von den Uferwäldern zu sprechen. Diese bedecken eine Fläche von 800 Hektaren, von denen die Hälfte in einen Campingplatz oder in eine Pappelzucht umgewandelt worden ist. Die Schwarzerle ist auf schwammigen und sumpfigen Böden vorherrschend; sie verträgt sich schlecht mit der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior), welche in weniger feuchten Gebieten die Schwarzerle ersetzt. Die mageren, mit Sandstein-Ausläufern durchsetzten Böden werden von der Waldföhre (Pinus sylvestris) erobert. Es sind lichte Wälder, die immer wieder von Zonen reich an Schwärzlichen Kopfbinsen (Schoenus nigricans) und prachtvollen Orchideen unterbrochen sind. Die meisten Uferwälder sind fast undurchdringliche Dickichte, vielfältig in ihrer Struktur und Zusammensetzung. Sie sind ungefähr hundert Jahre alt, haben also das Gleichgewicht des reifen Alters noch nicht erreicht. Sich selbst überlassen, sind sie voll von abgestorbenen Bäumen und damit ein Paradies für holzbohrende Insekten – und deren natürliche Feinde. In den Uferwäldern pflanzen sich rund hundert Wirbeltierarten fort.
Ökosystem mit Potenzial
Das Südostufer des Neuenburgersees kann deutlich mehr Brut- und Wintervögel beherbergen, als dies die im internationalen Ramsar- Abkommen verordneten Kriterien erlauben; dieses Abkommen hat zum Ziel, die Feuchtgebiete besonderer Bedeutung für die Wasservögel zu schützen. Von den elf Schweizer Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung befinden sich zwei am Neuenburgersee; ausserdem hat die Regierung zum Schutz der Wasser- und Zugvögel-Reservate ihrerseits eine Verordnung erlassen. Die Wasservögel verfügen damit über Schutzgebiete, um sich fortzupflanzen, sich zu ernähren oder sich auszuruhen, zusätzlich zum reichen Nahrungsangebot und zu den angepassten Biotopen. Die Umsetzung dieser Verordnung hat erst gerade begonnen. Unter Ausschluss der Jagd und anderer menschlicher Aktivitäten wird es deshalb interessant sein, die Entwicklung der Vogelpopulationen zu verfolgen. Vermutlich werden wir in den kommenden Jahren noch einige angenehme Überraschungen erleben.
Fotowettbewerb - Und dann hats klick gemacht!
Wann ist ein Bild gut? Da scheiden sich die Fotogeister. Klar ist, dass ein teurer Fotoapparat noch keinen guten Fotografen macht. Sind aber umgekehrt gute Ergebnisse auch mit einem billigen Apparat möglich? Sicher ist, dass das Fotografieren auf Touren eine besondere Disziplin verlangt. Und was soll überhaupt auf den Wanderausflug oder die Skitour mit? Alles brennende Fragen, auf die es hier Ant- worten aus der Praxis gibt. Und dann gilt: Machen Sie mit an unserem Fotowettbewerb auf Seite 55!
www.lowa-outdoorphotograph.ch (ab 1. Mai 2010 freigeschaltet!)
Inhalt
Reportage - Hinter den sieben Bergen
Am wilden Ufer des Neuenburgersees
Porträt: Pfynwald VS
Naturpark Val d'Hérens VS
Zum Mitmachen:
Der grosse LOWA-Fotowettbewerb
Zum Sammeln: Outdoor-Ausflugstipps
Portfolio
«Krieg und Frieden» auf dem Neuenburgersee
Der Schweizer Wanderkrimi
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