Simplon
Haben Sie das Bild des über neun Meter grossen «Steinadlers » im Kopf, wenn das Wort Simplon – oder Sempione – fällt? Oder das Hospiz? Oder die enge Schlucht von Gondo? Diese Reduktion ist im besten Fall die Spitze des Eisberges. Obwohl kein Berg den Namen Simplon trägt, ist er ein Pass, ein Tunnel, ein Dorf. Und ein Mythos.

Der Simplon – eine internationale Geschichte
Der magisch anziehende Passübergang zwischen der Schweiz und Italien trieft vor Geschichte. Die Literatur vom tiefstgelegenen alpenüberquerenden Pass der Westalpen existiert in den drei Sprachen Deutsch, Französisch und Italienisch in gleichem Masse und füllt mehrere Meter Bücherregale. Es ist keine Schweizer Geschichte: Es ist eine internationale.
Als Napoleon die Strasse über den Simplon für seinen Kanonennachschub bauen liess, war das Wallis noch nicht Teil der Eidgenossenschaft. Statt einer Kriegs- wurde die Simplonstrasse zur internationalen touristischen Attraktion: Erstmals konnte die europäische High Society des angehenden 19. Jahrhunderts die Bilder eines Alpenpasses sitzend in der Kutsche an sich vorbeiziehen lassen – ohne Anstrengung! Da kommt das heutige 3-D-Kino wie kalter Kaffee daher… Und erst recht brachte der in sechs Sprachen parlierende Stockalper anderthalb Jahrhunderte vor Napoleon den Saumweg zur internationalen Hochblüte. Indem er mit Papst, Kaiser, Sonnenkönig und allem, was Mitte des 17. Jahrhunderts Rang und Namen hatte, für das Wallis und seinen Geldsäckel flattierte, diplomatisierte und mit allem Möglichen – auch mit Menschen als Söldner – erfolgreich handelte. International ist auch die Fluggeschichte: Der junge, in Paris lebende Peruaner Geo Chavez gewann den ersten Preis der internationalen Flugschau von Mailand. Den Titel des ersten Alpenüberfliegers bezahlte er mit dem Leben. Von Ried-Brig über den Simplon nach Domodossola führte vor genau 100 Jahren der heroische Flug, der mit dem Absturz in Domodossola endete. Das war dann effektiv 3-D in einer neuen Dimension – aber mit Totalschaden. Der «Spirit» der Geschichte mit der Dreisprachigkeit hat sich fast nur noch im Hospiz halten können: Seit 200 Jahren betreiben die Chorherren vom Simplon ihr Haus als Einkehrmöglichkeit für Pilger, Schulklassen und minderbemittelte Familien unter christlicher Schutzherrschaft. Jahraus, jahrein, mit Haussprache Französisch, in einem Gebiet nahe der Sprachgrenze von Deutsch und Italienisch.
Geschichte ohne Ende
Das Dorf ennet dem Simplonpass ist gezeichnet: Von seiner Lage in einer der grössten Schweizer Schluchten, seiner Geschichte als Goldgräbermekka, seiner Kultur am Passübergang zu Italien, der schleichenden Entvölkerung und von der grössten Naturkatastrophe der jüngeren Schweizer Geschichte im Jahr 2000. Wir haben Gemeindepräsident Roland Squaratti in Gondo-Zwischbergen getroffen.
Schweizer Solidarität
Kein anderes Schweizer Dorf durfte in den vergangenen Jahren eine ähnliche Solidarität erfahren wie Gondo. Als nach tagelangen Regenfällen am 14. Oktober 2000 eine Geröllund Schuttlawine 13 Menschen und das halbe Dorf in den Bach fegte, schien das Schicksal des noch wenig mehr als 100 Köpfe zählenden Grenzortes besiegelt. Die Pessimisten hatten aber nicht mit der Hilfe der Schweizer Bevölkerung gerechnet, die unter Führung der nationalen Organisation «Glückskette» in kürzester Zeit 14 Millionen Franken für den Wiederaufbau des Dorfes sammelte. Vier Jahre nach dem Schicksalstag konnten in Gondo ein neues Gemeindehaus, ein grosses Wohnhaus, der neue Dorfplatz sowie eine Tiefgarage eingeweiht werden. Die Katastrophe liess sich zwar nicht rückgängig machen, aber wenigstens konnte man mit Hilfe der Schweizer Bevölkerung verhindern, dass das kleine Dorf in der Schlucht zu Italien vollends entvölkert wurde.
Inhalt
Reportage - Simplon-Sempione Pure Magie
Der Simplon - eine internationale Geschichte
Porträt: La Famiglia Squaratti, Gondo
Naturpark Beverin GR
Zum Sammeln: Outdoor-Ausflugstipps
Portfolio
Goldrausch in Gondo VS
Der Schweizer Wanderkrimi
Service
SCHWEIZ-Leser profitieren
Leichtwanderschuhe
Nachrichten und Produkte
Ausstellungen und Events
Buchtipps
Die Leserseite
Das Geo-Rätsel