Parc Jurassien
An der westlichen Schweizer Grenze vermischen sich Einsamkeit und mondäner Luxus mit Fernsicht und Höhlenabenteuer zu einem Naturpark, der vielseitiger nicht sein könnte. Der Naturpark Jura vaudois lässt die Herzen von Botanikern und Ameisenforschern genau so hoch schlagen wie die von Uhrensammlern, Käseliebhabern und Höhlenabenteurern – bei so viel Auswahl wird aus einem Abstecher schnell einmal eine Ferienwoche.

Zeitlos im Uhrenland.
Von den Kreten des Juras wirkt der Genfersee zum Greifen nah, doch im Naturpark Jura vaudois tickt die Welt anders als im mondänen Genf. Obwohl Uhren zum Berufsalltag der lokalen Bevölkerung gehören, spielt Zeit inmitten von blumenreichen Wiesen und einsamen Wäldern plötzlich keine Rolle mehr. Spätestens beim Anblick des schneeweissen Mont Blanc ist der Alltag weit weg.
Hacke gegen Pinzette
eingetauscht Nicht immer waren das Vallée de Joux und seine umliegenden Gipfel so leicht zugänglich wie heute. Wegen seiner Abgeschiedenheit und des undurchdringlichen Waldes wurde es vermutlich erst im 6. Jahrhundert von einem Eremiten begangen. Er liess sich beim heutigen Dorf Le Lieu nieder. Rund 600 Jahre später gründeten Mönche beim heutigen Ort L’Abbaye ein Kloster und begannen mit der Ansiedlung von Bauern unter klösterlicher Aufsicht. Doch das Klima war damals schon rau, die Winter lang und kalt und die Sommer kurz und häufig nass – kein einfacher Ort, um Landwirtschaft zu betreiben. Bereits im 15. Jahrhundert suchten die Bewohner des Vallée de Joux nach zusätzlichen Einkommensquellen und begannen neben der Landwirtschaft die umliegenden Wälder zu nutzen. Es entstanden Sägereien und Köhlereien, wie zum Beispiel in Les Charbonnières, dem Köhlerplatz. Wo Holz und Kohle produziert werden, ist das Feuer nicht weit. Schnell fasste auch die metallverarbeitende Industrie mit Hammer- und Schmiedewerken Fuss, und als die Genfer Uhrenindustrie zu Beginn des 18. Jahrhunderts das abgelegene Hochtal erreichte, rannte sie bei den mit dem Schmiedehandwerk vertrauten NaBauern offene Türen ein. Zu Beginn wurde noch auf den verstreuten Höfen produziert: Im Sommer bearbeiteten die Bauern ihr Land, in den langen Wintermonaten entstanden in den meist im Dachboden gelegenen Werkstätten Wunderwerke der Uhrmacherkunst. Noch heute lassen sich die Uhrmacher- Bauernhäuser gut von reinen Bauernhäusern unterscheiden: Sie besitzen im Dachstock eine Reihe von lichtspendenden Fenstern. Ohne diese wäre die filigrane Handarbeit mit den winzigen Teilen während der dunklen Winter fast nicht möglich gewesen. Doch die Tage der ländlichen Idylle waren gezählt, die Uhrmacherkunst wurde in Fabriken zentralisiert, und viele der Bauern verliessen ihre einstigen Höfe.
«C’est la passion!»
Es ist die Leidenschaft, die Uhrmacher antreibt. So auch Olivier Piguet. Die gibt er an seine Kunden weiter, welche sich bei ihm im malerischen Vallée de Joux hart an der Grenze zu Frankreich in die Kunst der Uhrenherstellung einweihen lassen. Am Schluss des zweitägigen Kurses tragen sie stolz ihre eigenhändig zusammengebaute Uhr am Handgelenk nach Hause. Und die ist garantiert Swiss made.
«Uhrmacher aus der ganzen Welt reissen sich darum, einen oder zwei Tage im Milieu der Uhrmacherkunst zu verbringen, beim Uhrmacher Olivier Piguet aus dem Vallée de Joux.» Was auf der Website des lokalen Tourismusbüros ein bisschen grossspurig daherkommt, ist es nicht. Ganz im Gegenteil: Wer hier in Le Sentier beim lebenslustigen Uhrmacher in die Minilehre geht und seine eigene Uhr zusammenbaut, hat etwas für sein Geld: Nämlich neben einer höchst attraktiven Mechanik am Handgelenk auch jede Menge Historie zur Entwicklung der Uhrmacherei in den letzten fast 300 Jahren. Denn wenn der sympathische Uhrenfreak ins anglodeutschroman(t)ische Erzählen kommt – «on se comprend toujours!» –, ist er kaum mehr zu bremsen. Er läuft dann zur Hochform auf, mit einer Präzision wie die Werke, die er schafft. Es macht einfach richtig Spass, ihm in seinem wunderschön umgebauten Uhrmacher-Bauernhof ein paar Meter oberhalb des Uhrendorfes Le Sentier zuzuhören. Uhrmachergeschichten «von ganz Innen heraus » sind das.
Inhalt
Reportage - Parc Jura vaudois
Natur ohne Grenzen
Porträt: Olivier Piguet, Uhrmacher in Le Sentier VD
Naturpark Gruyère Pays-d’Enhaut
Zum Sammeln: Outdoor-Ausflugstipps
Portfolio
Der Jura aus der Vogelperspektive
Der Schweizer Wanderkrimi
Service
Die richtige Wanderhose
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